**** Wir leben in einer Demokratie. **** Und das Schöne daran: Wir sind der Souverän – also wir Bürger. **** Von uns geht die Staatsgewalt aus. **** Theoretisch eine ziemlich mächtige Position. **** Aber keine Sorge: Wir müssen nichts weiter machen. **** Dafür haben wir Parteien. **** Und die schicken uns alle vier Jahre Menschen vorbei, die uns erklären, dass sie unsere Meinung viel professioneller vertreten können als wir selbst. **** Das nennt man Volksvertreter. **** Früher war das auch wirklich praktisch. **** Viele Menschen konnten weder lesen noch schreiben, Informationen reisten auf Pferden und für eine politische Diskussion mit Berlin langwierig. **** Heute können wir innerhalb von Sekunden Informationen aus der ganzen Welt abrufen, auch mit Hilfe KI. **** Aber zum Glück haben wir weiterhin klügere Menschen, die unsere Meinung für uns vertreten. **** Vor der Wahl dürfen wir diese Menschen sogar kennenlernen. Manchmal persönlich, für 5 Minuten. **** Das reicht völlig. Wir kaufen ja auch kein gebrauchtes Auto. **** Wir übertragen nur politische Macht für vier Jahre. **** Besonders wichtig ist dabei das Gewissen des Kandidaten. **** Denn nach der Wahl ist der Abgeordnete bei seinen Entscheidungen nur seinem Gewissen verpflichtet. **** Deshalb sollten wir uns dieses Gewissen vorher genau ansehen: **** 5 Minuten. „Guten Tag. Was halten Sie von Thema X?“ – „Das sehe ich genauso.“ – „Sehr schön.“ **** Gewissen geprüft, Mandat kann kommen. Dann wird gewählt. **** Aus dem Kandidaten wird eventuell ein Abgeordneter. **** Aus „Ich brauche Ihre Stimme“ wird „Bitte wenden Sie sich an mein Büro.“ **** Und das Beste: Wir bezahlen das Ganze auch noch selbst – mit unseren Steuern. **** Das ist unser Service: Wir geben unsere Stimme ab, übertragen politische Macht und finanzieren anschließend denjenigen, dem wir sie übertragen haben. **** Mehr Souveränität geht wirklich nicht. **** Natürlich gibt es vorher Wahlversprechen: „Mit mir wird es das nicht geben.“, „Dafür stehe ich.“, „Darauf können Sie sich verlassen.“ **** Manchmal gilt das sogar erstaunlich lange – bis zur Wahl. **** Danach kann sich selbstverständlich alles ändern: Neue Erkenntnisse, neue Sachzwänge, neue Koalitionen, neues Gewissen. **** Das alte Gewissen haben wir ja nur 5 Minuten kennengelernt. **** Und sollte uns jemand vor der Wahl bewusst etwas erzählt haben, das er niemals vorhatte einzuhalten – was passiert dann? **** Nun ... nichts. Gar nichts. **** Das ist das Schöne an politischen Versprechen: Wenn wir beim Autoverkauf bewusst falsche Angaben machen, könnte das unangenehm werden. **** Wenn ein Kandidat mit falschen Versprechen ein politisches Mandat bekommt, dann heißt es: Der Wähler kann bei der nächsten Wahl seine Konsequenzen ziehen – in vier Jahren. Bis dahin läuft das Mandat. **** Eine Art politische Reklamationsfrist, nur ohne Reklamation. **** Nach der Wahl verändert sich auch die Kommunikation: **** Vor der Wahl sucht der Politiker uns, nach der Wahl suchen wir den Politiker. **** Vor der Wahl: „Sprechen Sie mich an!“ – Nach der Wahl: „Schreiben Sie bitte eine E-Mail.“ **** Vor der Wahl braucht er unsere Stimme, nach der Wahl brauchen wir etwas Geduld: Parlament, Fraktion, Ausschuss, Gremium, Sitzung, Termine ... sehr viel zu tun, verständlich. **** Demokratie wäre schließlich wesentlich einfacher ohne diese ganzen Bürger. **** Deshalb haben wir die Bundestagsverwaltung gebeten, die Abgeordneten auf diese Seite aufmerksam zu machen. **** Jetzt können unsere Volksvertreter zeigen, wie wichtig ihnen der Kontakt zum Volk tatsächlich ist. Nicht im Wahlkampf – danach. **** Lesen Sie selbst: Wer antwortet? Wer erklärt seine Position? Wer stellt sich den Fragen der Bürger? Und wer hat seinen Souverän nach der Wahl vielleicht ein kleines bisschen aus den Augen verloren? **** Aber seien wir nicht enttäuscht: In vier Jahren kommen sie wieder. **** Dann stehen sie wieder vor uns, dann brauchen sie wieder unsere Stimme und dann erklären sie uns erneut, warum gerade sie unsere Meinung am besten vertreten können. **** Und wir dürfen entscheiden. Wir sind schließlich der Souverän – alle vier Jahre, für ein paar Minuten. **** Danach übernehmen freundlicherweise wieder die Profis.